04. April 2011
Der Mythos in Epochen

Der Mythos Nürburgring

1927 feierlich eröffnet, hat sich die traditionsreiche Rennstrecke zu einer ganzjährigen Erlebnisdestination gewandelt – mit einer bewegten Vergangenheit, die bis heute fasziniert.

Silberpfeile, „Grüne Hölle“ und jede Menge Stoff für echte Legenden: Der Nürburgring ist eine feste Größe der deutschen Motorsportgeschichte und gilt als eines der bekanntesten National-Monumente Deutschlands. Mehr als 800 Jahre ist es her, dass Graf Ulrich inmitten der Eifel den Grundstein für seine „Noureborg“ legte. Die „Nürburg“ war später nicht nur Namensgeber für die anliegende Gemeinde: Sie stand auch Pate für die Rennstrecke, die hier ab Mitte der 1920er Jahre entstand.

Die Jahrzehnte im Überblick:

 

30er Jahre

Wirtschaftskrise und Silberpfeile, Rundenrekorde und Panzerketten

Nach der Eröffnung des Nürburgrings mitten in der weltweiten Wirtschaftskrise meldete die Rennstrecke spätestens mit dem Beginn der legendären Silberpfeil-Ära immer neue Rekordzuschauerzahlen.

1934 - das Geburtsjahr der Silberpfeile, die ihre Premiere am Ring feierten. So hat das Mercedes-Team im Frühjahr 1934 in der Nacht vor dem Rennen eigenhändig den Lack von ihrem W25-Rennwagen abgekratzt, um das Gewichtslimit von 750 Kilogramm einzuhalten. Das silbrig glänzende Aluminium der blanken Karosserie gab dem Auto dann seinen Namen. Längst hatte sich der Nürburgring derweil als die beliebteste deutsche Rennstrecke etabliert, beim Eifelrennen 1939 stellt Hermann Lang mit seinem Zwölfzylinder-Mercedes mit 9:52 Minuten einen Rundenrekord auf, der bis 1956 ungeschlagen bleiben wird. Rudolf Caracciola gewinnt wieder einmal den Großen Preis von Deutschland. Der vorerst letzte Sieg auf dem Ring. Im Zweiten Weltkrieg bleibt kein Raum für den Motorsport – das Sporthotel an der Tribüne wird zum Notlager und Lazarett, die Rennstrecke wird in den letzten Kriegsmonaten durch Panzer schwer beschädigt.

40er und 50er Jahre

Wirtschaftswunder, Massen und Motoren

Nach den schrecklichen Jahren des Krieges sollte der Ring noch eine Chance bekommen. Bereits kurz nach Kriegsende beginnt der Wiederaufbau und schon 1947 startet mit dem „Eifel-Pokal-Rennen“ eine neue Nürburgring- Ära. Der Eintrittspreis damals: fünf Reichsmark – inkl. Verzehrbon für Wein, Wurst und Brot.

Vier Jahre später, im Jahr 1951, die erste Formel-1-Weltmeisterschaft - der Ring wird wieder international. Beim Großen Preis von Europa, 1954, werden mehr als 400.000 Zuschauer geschätzt. Juan Manuel Fangio siegt und wird zum Motorsport-Idol der Fünfzigerjahre. Er gewinnt vier Jahre in Folge den Großen Preis von Europa.

60er Jahre

Die wilden 60er – Gentlemen und Grüne Hölle

Wolfgang Graf Berghe von Trips ist der neue Publikumsmagnet, der 1961 um den Großen Preis von Deutschland kämpft. Wirtschaftswunderzeit – da gehört der Motorsport zum neuen Selbstbewusstsein einer ganzen Nation. Begleitet von einem für damalige Zeiten gewaltigen Medienrummel fiebern 1961 über 100.000 Zuschauer mit dem Gentlemen-Racer. Graf Berghe von Trips verliert gegen den an diesem Tag unschlagbar scheinenden Stirling Moss. Seiner Popularität tut das keinen Abbruch.

1969 – neue populäre Fahrer wie der Belgier Jackie Ickx sorgen für Massenbesuche bei den Motorsportveranstaltungen. Autorennen sind beliebter denn je – die Fahrer werden zu Popstars. Höhepunkt des Jahres ist der Große Preis von Deutschland, den Jackie Ickx für sich entscheidet. An diesem Tag ahnt keiner, dass die Nordschleife als Grand-Prix-Strecke in Frage gestellt werden könnte. Doch bereits ein Jahr später ist es soweit: Nach einer Serie schwerer Unfälle im GP-Sport fordern mehrere Fahrer eine umfangreiche Umgestaltung der Grünen Hölle, wie die Strecke ehrfurchtsvoll von den Fahrern genannt wird.

70er und 80er Jahre

Ende mit Schrecken, Neuanfang mit Grand Prix

17 Millionen Mark lassen sich die Nürburgring-Verantwortlichen die Umbaumaßnahmen kosten – die Strecke bekommt Seitenstreifen, Fangzäune und Leitplanken. Und 1971 wieder einen Grand Prix. Über 130.000 Zuschauer umjubeln den Sieger Jackie Stewart. Doch der hohe Anspruch, den die Nordschleife an die Fahrer stellt, bleibt weiterhin ein Thema.

Als am 1. August 1976 Niki Lauda schwer verunglückt, kommt das Aus. Der Nürburgring verliert erneut seine Formel-1-Zulassung – auf McLaren Ford gewinnt der Brite James Hunt das letzte Formel-1-Rennen auf der Nordschleife. Der Aufsichtsrat beschließt den Bau einer neuen, kürzeren und moderneren Rennstrecke. Nach zähen Verhandlungen und nicht zuletzt dank der Bewegung „Rettet den Nürburgring“ setzt der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel am 30. November 1981 den ersten Spatenstich. Drei Jahre später, am 12. Mai 1984, wird die neue 4,542 Kilometer lange Strecke mit einem großen Programm aus Show und Motorsport eröffnet. Am 7. Oktober 1985 findet dann das erste Formel-1-Rennen auf der neuen Strecke statt. Der Sieger: Michele Alboreto auf Ferrari. Als weitere Premiere zieht das Musikspektakel Rock am Ring erstmals neue Besucherströme in die Eifel. Ein Jahr später findet der erste Truck-Grand-Prix des ADAC statt – ein Überraschungserfolg, der sich zueiner der tragenden Säulen des Veranstaltungsprogramms entwickeln wird.

90er Jahre

Die „Grüne Hölle“ bekommt ein Umweltmanagementsystem

Die Neunzigerjahre stehen ganz im Zeichen der Umorientierung. Der Motorsport bleibt weiterhin tragende Säule am Ring, der Nürburgring erhält jedoch eine noch stärkere Leitfunktion für Wirtschaftsentwicklung und Fremdenverkehr. Und einen neuen Star. Am 1. Oktober 1995 gewinnt Michael Schumacher als erster deutscher Fahrer auf dem Nürburgring einen Lauf zur Formel-1-WM – das Publikum jubelte ihm u.a. von der bis dato modernsten Tribüne der Welt zu. Ca. 5.000 Zuschauer finden auf den Sitzen der Mercedes-Tribüne Platz. Zusätzlich sind 2 ViP-Areale integriert.

Und auch in Sachen Umwelt ist der Nürburgring Vorreiter. Bereits 1996 wurde ein fortschrittliches Umweltmanagementsystem aufgebaut – der Nürburgring erhält die Zertifizierung nach der EG-Öko-Audit-Verordnung. Ein Jahr später – 1997 – wird das neue hochmoderne MedicalCenter eingeweiht. Es sollen im Jahr 1998 weitere Neubauten folgen: Die neue Nordschleifenzufahrt wird eröffnet, die BILSTEIN-Tribüne umfangreich umgebaut und die erste permanente Videowand an einer Rennstrecke eingeweiht. Wieder steht der Nürburgring in der Pole-Position. Der Indoor-Freizeitpark Erlebnis-Welt Nürburgringer erschließt neue Besucherpotenziale – feierliche Eröffnung im Mai 1998. 1999 wird eine hochmoderne Kläranlage gebaut – auch dafür erhält der Nürburgring noch im selben Jahrden Umweltpreis Environment Award 1999“.

Das neue Jahrtausend

Mit Vollgas in die Zukunft

Im neuen Jahrtausend wird weiter Gas gegeben. Das alte Start- und Zielhaus, das alte Boxengebäude und der Conti-Turm fallen im Jahr 2000. Bis zum Großen Preis von Europa 2001 entstehen dafür drei weitere Super-VIP-Loungen und ein hochmodernes neues Start- und Zielhaus. Das neue FUJIFILM Media Center mit modernster Technik bietet Journalisten und Fotografen perfekte Arbeitsbedingungen auf über 1.650 qm Platz. Aus der Rennstrecke ist eine eigene Marke gewachsen – mit einer Bekanntheit von deutschlandweit über 90 Prozent. Am Nürburgring kommen längst nicht mehr nur Fans von Motorsport-Events der Spitzenklasse auf ihre Kosten. Mit einem Mix aus jährlich rund 100 Motorsport und 200 sonstigen Events und Incentive-Veranstaltungen bietet der Nürburgring Freizeitspaß und Edutainment für ganz unterschiedliche Besucher- und Interessensgruppen.

Künftige Champions werden in der Motorsport Akademie Nürburgring geschult, künftige „Besserfahrer“ in den beiden auto motor sport Fahrsicherheitszentren. Die Fahrt im eigenen PKW durch die „Grüne Hölle“ ist ein Erlebnis für jede Generation. Apropos grün: Zum wiederholten Male wurde Nürburg auch 2005 wieder als Luftkurort ausgezeichnet - verschiedene Fahrrad-Touren und Rundwanderwege bieten in der Umgebung der Rennstrecke Sport-Spaß für jedes Alter und machen die Vergangenheit der Eifel lebendig. Ein Blick auf die Besucherbilanz zeigt, dass sich das Engagement lohnt: Schon heute ist der Nürburgring eine der attraktivsten Sport- und Freizeiteinrichtungen Deutschlands: Rund 2 Millionen Menschen besuchen jährlich die zahlreichen Veranstaltungen oder nutzen die Freizeitmöglichkeiten rund um den Nürburgring. Tendenz steigend.

2010

Der Beginn einer neuen Ära

Zum 1. Mai 2010 geht der operative Betrieb am Nürburgring an eine neue Betriebsgesellschaft, die Nürburgring Automotive GmbH über. Die Gesellschaft ist zu je 50 Prozent im Besitz der Lindner Unternehmensgruppe, Düsseldorf und der Mediinvest, Düsseldorf. Eigentümer der Immobilien ist weiterhin das Land Rheinland-Pfalz sowie der Landkreis Ahrweiler. Der Fokus liegt weiterhin auf dem Motorsport. Doch der Nürburgring ist längst mehr – eine Freizeit- und Erlebnisdestination, die zahlreiche Attraktionen rund um zwei der legendärsten Rennstrecken der Welt bietet.